Was ist Ayurveda und was bringt es mir im Alltag?

Seit rund fünf Jahren nutze ich Ayurveda im Alltag und es hat mir so viel Verständnis, Selbstbestimmtheit und Wohlbefinden geschenkt. Mitten in der Covid-Pandemie, als es mir gesundheitlich nicht gut ging, habe ich eine Ausbildung zum Ayurveda Coach gemacht und seither nutze ich dieses Wissen und die Tools täglich für meine Balance und Gesundheit.

Was ist Ayurveda?

Ayurveda ist eines der ältesten Medizin- und Heilsysteme der Welt und hat seinen Ursprung in Indien vor über 5000 Jahren. Der Begriff setzt sich aus «Veda» (Wissen, Wissenschaft) und «Ayus» (Leben, häufig auch Gesundheit) zusammen und bedeutet somit die Wissenschaft vom Leben. Einfach gesagt, ist es auch die Kunst der täglichen Lebensführung. Ayurveda betrachtet Körper, Geist und Seele eines Menschen als Einheit und dadurch ist es möglich, ein langes und gesundes Leben zu führen.

Die ayurvedischen Heil- und Hilfsmittel gehen über die Ernährung und Medizin hinaus. Ayurveda umfasst auch die (tägliche) Reinigung des Körpers und Geistes mittels gesunder Routinen. Dadurch können Dysbalancen, Belastungen und Krankheiten vorgebeugt und gelindert werden. Ayurveda wird oft auch als die Schwesterndisziplin des Yoga angesehen. Beide Disziplinen haben im Grunde dieselben Ziele: Sie streben Gesundheit, Achtsamkeit, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit an.

Was nützt mir Ayurveda?

Das Wissen um Ayurveda erlaubt mir, meinen Körper und seine Bedürfnisse in den einzelnen Tages- und Jahreszeiten zu verstehen. Dadurch kann ich ihn angepasst nähren, bin ausgeglichener und gesünder. Ich fühle mich mehr mit der Natur verbunden und habe gelernt, erste Anzeichen von Dysbalancen (beginnende Krankheiten) zu erkennen. Diesen kann ich mit einfachen Mitteln (möglichst ohne Medikamente) gegensteuern. Ayurveda erlaubt mir deshalb, meine Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen.

Ayurveda ermöglicht mir weiter, meine Energie besser zu managen, indem ich spezifische Tageszeiten für bestimmte Tätigkeiten nutze. Beispielsweise eignen sich Nachmittage eher für soziale Tätigkeiten wie Calls, Workshops oder Meetings und die frühen Morgenstunden zwischen 8 und 10 Uhr eher für konzentriertes Arbeiten an grösseren Aufgaben. Die Stunden zwischen 22 und 2 Uhr sind besonders wichtig für Schlaf, weil dann unser Körper und Geist gereinigt werden. Warum das so ist, erfährst du in einem der nächsten Blogs über die Doshas, die Bio-Energien des Ayurveda.

Für mich sehr wertvoll war zudem, dass ich dank Ayurveda gelernt habe, meine Feinfühligkeit wertzuschätzen und zu nutzen.

Meine drei wichtigsten Ayurveda-Hacks im Alltag

1. Warmes Wasser am Morgen

Ein Glas warmes, abgekochtes Wasser als erstes am Morgen hilft dem Körper, die Giftstoffe (der Nahrung, Umwelteinflüsse etc.), welche er über die Nacht in die Verdauungsorgane transportiert hat, auszuschwemmen. Gleichzeitig wird dadurch die über die Nacht entstandene Dehydrierung im Körper ausgeglichen. Wie du bestimmt weisst, besteht unser Körper über 70% aus Wasser.

Das Wasser sollte warm sein, damit die Verdauung angeregt wird und der Körper so auf die spätere Nahrungsaufnahme vorbereitet wird. Jedoch sollte auf warmes Wasser aus dem Wasserhahn verzichtet werden, weil da Keime drin sein können. Ich koche mein Wasser jeweils auf, lasse es 3-10 Minuten köcheln und dann auf die gewünschte Temperatur abkühlen. Probiere es aus! Das allein sollte reichen, um deine Verdauung und auch den Stuhlgang anzukurbeln, Kaffee ist dazu entgegen weit verbreiteter Meinung gar nicht nötig.

Wenn dir das reine Wasser zu langweilig ist, kannst du auch etwas Ingwer (frisch oder Pulver), ein paar Tropfen Zitronensaft oder ein paar Kardamom-Kapseln dazugeben.

2. Mundraum-Reinigung

Der Mundraum ist der oberste Teil unserer Verdauung und weil sich über die Nacht auch dort Ablagerungen ansammeln, wollen wir diese in der Regel vor dem ersten Schluck entfernen (sonst schlucken wir die Ablagerungen wieder). Es gibt dazu sogenannte Zungenschaber (Bild?) aber ein simpler Teelöffel tut es auch. Ich habe ein Jahr lang ohne Zungenschaber mit einem Teelöffel meine Zunge gereinigt, das geht bestens.

Du wirst erstaunt sein, was da alles von der Zunge kommt. Der Belag ist oft weisslich, gelblich oder gräulich und unterschiedlich fest oder flüssig. Daraus können Ayurveda-Mediziner einiges über unseren Gesundheitszustand ablesen. Für uns ist wichtig: Je mehr Belag, desto belasteter ist unsere Verdauung. Seit ich zudem angefangen habe, abends meine Zunge auch zu reinigen, ist mein Schlaf viel ruhiger geworden. Probiere es aus!

3. Frühes, leichtes und warmes Abendessen

Es ist mir bewusst, in unserer westlichen Kultur ist oft das Abendessen die grösste und wichtigste Mahlzeit, weil wir tagsüber arbeiten und jeder seine eigenen Verpflichtungen hat. Aus ayurvedischer und gesundheitlicher Sicht ist es jedoch wichtig, dass die Verdauung des Abendessens abgeschlossen ist, bevor wir schlafen gehen, und schlafen sollten wir idealerweise rund um 22 Uhr (die Gründe dafür erkläre ich einem weiteren Blogartikel).

Aus diesen Gründen empfiehlt sich ein leichtes und warmes Abendessen vor 18.30 Uhr, das einfach zu verdauen ist und den Körper nicht belastet. Dieser kann so den Schlaf für die Tiefenreinigung nutzen und wir erwachen am Morgen frischer und ausgeruhter.

Seit ich diese drei Tipps anwende, brauche ich auch keinen Kaffee mehr um überhaupt wach zu werden am Morgen. Welchen Tipp probierst du als erstes aus?